Der Tod begleitet uns alle irgendwie, den einen mehr und den anderen weniger. In jedem Beruf und bei jeder Berufsgruppe muss irgendwann jemand damit umgehen. Wir in der Pflege und alle, die mit Menschen arbeiten, haben natürlich ein bisschen mehr damit zu tun. Heute schreibe ich darüber, wie ich das erlebe.
Begleiten heißt mehr als arbeiten
Wir begleiten Menschen vom Einzug bis zum Tod, und begleiten bedeutet nicht nur, die Arbeit zu machen. Für mich heißt das Hingabe, Herz geben und Gefühle zeigen, natürlich alles mit einer professionellen Distanz. Wer in der Pflege arbeitet, weiß, was ich meine, wenn ich sage, dass man zu Bewohnern auch eine Beziehung aufbauen kann. Ich meine damit nichts Intimes. Wir sind oft die einzigen Menschen, die sie noch haben.
Oft höre ich: „Schön, dass Sie endlich da sind.“ Die Bewohner freuen sich, wenn man wiederkommt. Wir feiern Geburtstage mit ihnen, wir hören zu, wenn sie Probleme oder Sorgen haben, und wir geben Rat. Sehr oft sind wir die letzten Ansprechpartner.
Und dann auf einmal
Man hat sich am Vortag oder vor dem Wochenende noch mit dem Bewohner unterhalten. Dann kommt man am Montag oder am nächsten Tag zum Dienst und hört in der Übergabe: Die Bewohnerin oder der Bewohner ist verstorben.
Man nimmt das einmal kurz wahr, aber man ist im Arbeitsmodus. Ich denke dann erst einmal nicht darüber nach, weil die anderen Bewohner mich auch brauchen.
Wann das Nachdenken anfängt
Wisst ihr, wann das anfängt? In der Pause, nach der Arbeit, manchmal auch erst ein paar Tage später. Dann denke ich an die schöne Zeit zurück und an die lustigen Gespräche. Manchmal denke ich auch: Zum Glück konnte diese Person in Ruhe und in Frieden gehen und hat jetzt ihre Ruhe gefunden, nach so vielen Qualen.
Das sind Gedanken, die einen immer wieder verfolgen. Es wird zum Alltag, das stimmt. Trotzdem sollte jedem bewusst sein, dass man auch trauern darf und das zulassen muss.
Trauern ist keine Schwäche
Man sollte sich bewusst Zeit dafür nehmen, auch wenn man auf der Arbeit ist. Dann kurz absprechen, Bescheid sagen, dass man mal eben Zeit braucht, um zu trauern. Das ist keine Schwäche, sondern Stärke.
Viele sprechen auch im Team über die schönen letzten Momente, und das hilft vielen. Ich war schon in mehreren Seniorenheimen tätig. Sie haben sich in der Führung und in der Struktur sehr unterschieden, aber eins war immer gleich: Wenn ein Bewohner verstorben ist, hat man sich noch einmal respektvoll, freundlich und positiv über diesen Menschen unterhalten. Dabei habe ich gemerkt, dass viele Menschen auf diese Weise trauern und damit umgehen. Zu Hause wird darüber meistens nicht erzählt. Das ist meine Beobachtung und keine Statistik.
Meine eigene Art
Manchmal nehme ich mir ganz bewusst Zeit, reflektiere und denke noch einmal an die verstorbenen Bewohner. Besonders an die, die ich am Bett begleitet habe, und das waren leider viele. Dabei begleiten mich auch schöne Gefühle. Für mich war es eine Aufgabe, diese Menschen respektvoll und würdevoll auf die andere Seite zu begleiten, im übertragenen Sinne.
Wenn dich ein Todesfall mehr belastet, als du allein tragen möchtest, sprich mit jemandem im Team, mit deiner Praxisanleitung oder mit einem Menschen, dem du vertraust. Dafür muss niemand stark genug sein, es ist Teil des Berufs.
Wie gehst du damit um? Schreib mir gerne eine Mail an vollmer.steffen@icloud.com mit dem Betreff Pflegelaborblog. Ich bin gespannt, wie du es erlebst. Bitte ohne Namen und Angaben zu Bewohnern.