Auch zum Hören: Diesen Beitrag erzähle ich in der Langfassung als Podcast. Dort stelle ich mich vor und erkläre, warum ich das mache und was meine Beweggründe sind. Sobald die Folge online ist, findest du sie auf der Podcast Seite.
Mit 18 wollte ich in die Pflege. Gemacht habe ich es erst viele Jahre später. Dazwischen liegt ein Umweg, den ich heute nicht bereue, weil er mir gezeigt hat, was ich nicht will und was ich wirklich will.
Der Umweg
Es kam anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Familie, Bundeswehr, eine andere Ausbildung, immer schien etwas wichtiger oder dringender zu sein, und die Pflege blieb ein Gedanke im Hintergrund. Zuletzt war ich als Servicetechniker auf Baustellen unterwegs. Das ist ein ordentlicher Beruf, und ich will ihn nicht schlechtmachen.
Aber in jedem Job, den ich hatte, kam derselbe Gedanke zurück: Mir fehlt etwas. Ich war nicht glücklich, und ich bin nicht gerne zur Arbeit gegangen. Das kostet mehr Kraft, als man am Anfang denkt, weil man den größten Teil seines Tages an einem Ort verbringt, an dem man eigentlich nicht sein will.
Der Moment, in dem sich alles geändert hat
Vor etwa fünf Jahren hat sich das geändert. Aus privaten Gründen hatte ich die Möglichkeit, in die Pflege zu gehen. Ich habe sie genutzt, und es war das Beste, was ich je gemacht habe.
Vieles von dem, was ich heute in der Pflege weiß, habe ich mir selbst angeeignet. Irgendwann war mir wichtig, es nicht nur zu können, sondern von Grund auf zu lernen, mit einer richtigen Ausbildung dahinter. Deshalb bin ich heute Auszubildender zum Pflegefachmann.
Was mich an diesem Beruf hält
Als Pflegefachkraft hilfst du Menschen mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen, bei Problemen mit der Beweglichkeit, bei Nierenversagen, bei Herzerkrankungen oder bei Depressionen. Und oft braucht es dafür gar nicht viel. Ein nettes Gespräch, ein kleines Lächeln. Das klingt unscheinbar, aber es macht Menschen glücklich, die sich gerade in einer sehr schweren Lage befinden.
Verstehen statt urteilen
Mein Lieblingsthema sind Menschen mit demenziellen Veränderungen, also mit Veränderungen im Gedächtnis, im Denken und im Verhalten. Was mich dabei bewegt, ist die Haltung. Ich möchte nicht denken: „Wieso kann der das gerade nicht?“ Ich möchte fragen: Was funktioniert bei diesem Menschen gerade nicht? Warum kann er diese Funktion im Moment nicht steuern? Und dann helfen. Verstehen und Fürsorge zeigen, das ist für mich der Kern.
Ich habe Menschen gesehen, die mit demenziell veränderten Menschen nicht arbeiten können und es trotzdem tun, wegen des Geldes. Das finde ich traurig, und für die Betroffenen ist es schlecht. Wer mit diesen Menschen arbeitet, muss das mit Herz tun, für die Menschen und nicht wegen des Geldes.
Was ich vorhabe
Ich habe die Mittlere Reife und kein Abitur. Für mich ist das kein Grund, ein Ziel aufzugeben. Nach der Ausbildung möchte ich Pflege studieren und mich weiterbilden, weil ich etwas bewirken will. Ich informiere mich gerade, welche Wege es ohne Abitur gibt, und schreibe darüber, sobald ich es sicher weiß.
Deshalb arbeite ich schon jetzt wissenschaftlich: Quellen belegen, sauber ordnen und nachvollziehbar kennzeichnen. Ich will damit nicht erst anfangen müssen, wenn es darauf ankommt.
Warum ich das aufschreibe
Ich möchte, dass du hier etwas lernst, und ich möchte andere ermutigen, diese Ausbildung vielleicht auch zu machen. Wenn du gerade in einem Job sitzt, in dem dir etwas fehlt, und schon lange an die Pflege denkst: Mein Weg zeigt, dass es nie zu spät ist.
Ich schreibe nichts schön, was nicht schön ist. Es gibt gute Tage und schwere, und beides gehört hierher. Nicht hierher gehören Namen, Orte und Daten von Menschen, die mir anvertraut sind.
Das ist meine Geschichte bis hierher. Wie es weitergeht, steht in den nächsten Beiträgen.
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